Die Große Sommerausstellung der Worpsweder Museen 

Paulas Worpswede
25. Juni bis 5. November 2017, Große Kunstschau und Barkenhoff

Der diesjährige Sommer in Worpswede steht ganz im Zeichen der berühmten Malerin Paula Modersohn-Becker. Die Worpsweder Museen beleuchten in einer Doppelausstellung das Leben der Künstlerin am authentischen Schauplatz: Die Große Kunstschau und der Barkenhoff präsentieren den Ort, die Landschaft und den Kreis der Künstlerfreunde, die für Paula Modersohn-Becker als Begründerin der Moderne prägend waren. Auch wenn die Weltstadt Paris als Sehnsuchtsort und Inspirationsquelle für sie zunehmend an Bedeutung gewann, blieben die Worpsweder Motivwelt und die hier geknüpften Freundschaften und Beziehungen wichtige Grundlagen ihres Lebens und ihrer Kunst. Während in der Großen Kunstschau der Fokus auf die außergewöhnliche Landschaft des Teufelsmoors und ihrer Bewohner als Inspirationsquelle gerichtet ist, wendet sich die zweite Ausstellungssektion im Barkenhoff der künstlerisch-geistigen Welt um Modersohn-Becker zu.

Paulas Worpswede – »… es ist ein Wunderland«
Die großformatigen und stimmungsvollen Naturdarstellungen von Fritz Mackensen, Otto Modersohn und ihren Kollegen verkörpern die moderne Sehnsucht nach einer Welt, die von der industriellen Moderne nicht geprägt zu sein scheint. Als diese sechs bis dahin kaum bekannten Künstler im Jahr 1895 mit ihren Ausstellungen Furore machen, wird auch die 19-jährige Paula Becker auf die Worpsweder Maler aufmerksam und ist von ihren Gemälden nachhaltig beeindruckt. 1897 kommt sie für einen ersten Sommeraufenthalt in das Künstlerdorf. Euphorisch notiert die Künstlerin in ihrem Tagebuch: »Worpswede, Worpswede, Worpswede! [...] es ist ein Wunderland, ein Götterland.« Ihre Begeisterung für das »Wunderland« hält an. 1898 kehrt Paula Becker zurück – Worpswede wird ihre Heimat. Hier beginnt ihre Suche nach einer eigenen und wahrhaftigen Kunst, hier findet sie ihre Hauptmotive. Tief beeindruckt von der Worpsweder Landschaft mit ihren leuchtenden Birken, dem geheimnisvollen Licht und dem einfachen bäuerlichen Leben gerät die junge Malerin in einen Schaffensrausch.

In der Großen Kunstschau wird der Blick Paula Modersohn-Beckers und ihrer Künstlerkollegen und -kolleginnen auf »ihr« Worpswede gezeigt. Werke der Malerin und Arbeiten ihrer Zeitgenossen mit den typischen Worpsweder Motiven verdeutlichen die gegenseitigen künstlerischen Anregungen, aber auch die unterschiedlichen malerischen Auffassungen. Neben den charakteristischen Landschaftsdarstellungen um 1900 konzentriert sich die Ausstellungssektion in der Großen Kunstschau insbesondere auf die individuellen Darstellungen zweier zentraler Sujets – Birken und Bauern –, die eingebettet werden in die mystische Umgebung des Teufelsmoors.

Paulas Worpswede – »Eigentlich ist das ein Märchen …«
Der Barkenhoff ist um 1900 ein repräsentativer Wohnsitz, den Heinrich Vogeler mit seinen Gemälden, Grafiken und von ihm entworfenen Gegenständen im Sinne eines Gesamtkunstwerks ausgestattet hat. Haus und Garten sind Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens des Ortes – hier finden Kunstgespräche, Musikdarbietungen und Lesungen statt, besucht von zahlreichen prominenten Intellektuellen und Künstlern. Auch für Paula (Modersohn-)Becker ist der Barkenhoff ein ganz besonderer Ort: Hier trifft sich die »Familie« der Künstler, wie sie den engen Freundeskreis nennt. Dazu zählen Heinrich Vogeler mit seiner Braut Martha Schröder, Clara Westhoff und Otto Modersohn, den sie 1901 heiratet. Die schönsten Beschreibungen der regelmäßigen sonntäglichen Zusammenkünfte im »Weißen Saal« verdanken wir Rainer Maria Rilke, der ebenfalls mehrfach an diesen Treffen teilhat. »Eigentlich ist das ein Märchen«, schreibt er 1900 in sein Tagebuch. »Ich sitze in einem ganz weißen, in Gärten verlorenen Giebelhaus unter schönen und würdigen Dingen, in Stuben, die voll von der Stimmung eines Schaffenden sind.«

Die Ausstellung im Barkenhoff illustriert anhand von Gemälden, Grafiken und Werken der angewandten Kunst Heinrich Vogelers die künstlerische Welt, wie Paula (Modersohn-) Becker und ihre Freunde sie um die Jahrhundertwende auf dem Barkenhoff erlebten. Werke von Otto Modersohn, Paula (Modersohn-)Becker, Clara (Rilke-)Westhoff und Oskar Zwintscher werfen ein Schlaglicht auf die freundschaftlichen Verbindungen zueinander und zeigen beispielhaft ihre künstlerische Auseinandersetzung mit typischen (Bild-)Themen dieser Zeit, wie etwa dem Märchen.

Nähere Infos unter www.worpswede-museen.de

Weitere Informationen:

www.worpswede-museen.de

  • Sommerausstellung im Teufelsmoor

    Sommerausstellung im Teufelsmoor

  • Sommerausstellung im Teufelsmoor - Paula Modersohn-Becker - Mädchen mit Schafen am Weiher, um 1903

  • Sommerausstellung im Teufelsmoor - Clara Rilke-Westhoff, Portät Paula Modersohn-Becker, Bronze, Foto_Rüdiger Lubricht

  • Sommerausstellung im Teufelsmoor - Paula Modersohn-Becker, Märchendrude II, um 1901